Die neue
Steuerberatervergütungsverordnung (StbVV)

 

 

Mehr als 14 Jahre nach der letzten Gebührenreform, hat der Bundesrat einer Novellierung der Steuerberaterhonorare zugestimmt. Neben der Anpassung einzelner Gebühren an Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre, wurden die Tabellen linear um 5 % angehoben. Die Änderungen treten am 20.12.2012 in Kraft.


Seit der letzten Anpassung im Jahr 1998 ist der Preisindex um mehr als 22 %, die Lohnkosten um 20 % gestiegen. Es war daher höchste Zeit, die Steuerberatergebühren der tatsächlichen Preisentwicklung anzupassen.


Einen Überblick über die wichtigsten Änderungen und einige Berechnungsbeispiele finden Sie in dieser Mandanteninformation


Die Zeitgebühr wurde von 19,00 EUR bis 46,00 EUR je angefangener halbe Stunde auf 30,00 EUR bis 70,00 EUR je angefangener halbe Stunde erhöht. Damit liegt die Mittelgebühr pro Stunde nun bei 100,00 EUR und somit noch 8,00 EUR über der bisherigen Höchstgebühr. Die Betragsrahmengebühren im Bereich Lohnabrechnung wurden durchschnittlich um ca. 80 % erhöht.

Auch die fast durchgängige Erhöhung der Mindestgegenstandswerte dient der Anpassung an die wirtschaftlichen Verhältnisse, denn bei kleinen Unternehmen oder Unternehmen in Verlustphasen, blieb die Gebühr über die Jahre gleich. Unverständlicherweise wurden die Mindestgegenstandswerte nicht in allen Bereichen angepasst und bei den Abschlussarbeiten wurde auch kein Mindestgegenstandswert festgelegt. Letzteres führt beispielsweise bei der Erstellung einer Eröffnungsbilanz für eine Unternehmergesellschaft, haftungsbeschränkt (UG), dazu, dass aufgrund des in der Regel geringen Gegenstandswertes ohne den Abschluss einer Vergütungsvereinbarung kein angemessenes Honorar zu erzielen ist.


Die Gebührenvorschrift für die Ermittlung des Überschusses der Einnahmen über die Werbungskosten wurde um einen Absatz 3 ergänzt, der nun – analog zu § 25 Abs. 2 StBVV – für Vorarbeiten, die über das übliche Maß erheblich hinausgehen, eine zusätzliche Abrechnung nach Zeitgebühr eröffnet.


Mit einer Klarstellung in § 30 (Selbstanzeige) wird ein Streitpunkt beseitigt. Manche Stimmen in der Literatur meinten, Gegenstandswert der Selbstanzeige sei die nachzubezahlende Steuer. Nunmehr wird in der Verordnung der Gegenstandswert nach „der Summe der berichtigten, ergänzten und nachgeholten Angaben bestimmt“.


Im Bereich der Jahresabschlusserstellung wurde die Gebühr für die häufig streitanfälligen Zwischenabschlüsse deutlich erhöht. Der Gebührenrahmen für den Zwischenabschluss entspricht mit einer Erhöhung auf 10/10 bis 40/10 nun dem des normalen Jahresabschlusses.

Größte Auswirkung auf das Honorar der Steuerberater wird die Anhebung der Tabellenwerte haben. Bei der Zeitgebühr und der Lohnabrechnung sind die nominalen Erhöhungen höher.

 

 

Die Auswirkungen der Honoraranpassungen werden an folgenden Musterrechnungen dargestellt.

Eine Gebührenrechnung für den Jahresabschluss einer GmbH wird nach der neuen Verordnung folgendermaßen aussehen (alte Gebühren zum Vergleich in Klammern):

 

Jahresabschluss zum 31.12.2011  § 35 Abs. 1 Nr. 1a) StBGebV

 NEU

ALT

Gegenstandswert:  600.000 EUR  25/10  Tabelle B

1.835,00 EUR

1.747,50 EUR

Anhang zum 31.12.2011  § 35 Abs. 1 Nr. 1b) StBGebV
Gegenstandswert:  600.000 EUR  6/10  Tabelle B


440,40 EUR


419,40 EUR

Ableitung des steuerlichen Ergebnisses vom Handelsbilanzergebnis zum 31.12.2011
§ 35 Abs. 1 Nr. 3a) StBGebV
Gegenstandswert:  600.000 EUR  6/10  Tabelle B



440,40 EUR



419,40 EUR

Erklärung zur Körperschaftsteuer 2011 § 24 Abs.1 Nr. 3 StBGebV
Gegenstandswert:  40.000 EUR   5/10  Tabelle A


473,50 EUR


451,00 EUR

Erklärung zur gesonderten Feststellung gem. §§ 27, 28, 37, 38 KStG für 2011
§ 24 Abs. 1 Nr. 4 StBGebV
Gegenstandswert:  12.500 EUR **)  1/10 *) Tabelle A



entfällt



52,60 EUR

Erklärung zur Gewerbesteuer 2011§ 24 Abs.1 Nr. 5 StBGebV
Gegenstandswert:  40.000 EUR 3,5/10  Tabelle A


331,45 EUR


315,70 EUR

Umsatzsteuererklärung 2011  § 24 Abs. 1 Nr. 8 StBGebV
Gegenstandswert:  94.000 EUR  4/10  Tabelle A


536,40 EUR


510,80 EUR

Summe

4.057,15 EUR

3.916,40 EUR

Durch den Wegfall der Gebühr für die gesonderte Feststellung des Eigenkapitals erhöht sich die Gesamtgebühr bei gleichen Zehntelsätzen um 3,6 %.

Anders verhält es sich bei einer Einkommensteuererklärung. Hier wirkt sich die Erhöhung der Tabellenwerte ungemildert aus: 

Einkommensteuererklärung 2011  § 24 Abs. 1 Nr. 1 StBGebV

 

NEU

ALT

Gegenstandswert: 73.900 EUR  3/10  Tabelle A

378,00 EUR

360,00 EUR

Ermittlung der Einkünfte 2011:

 

 

aus nichtselbständiger Arbeit (Ehemann)  § 27 Abs. 1 StBGebV
Gegenstandswert:  28.000 EUR  4/20 Tabelle A


159,20 EUR


151,60 EUR

aus sonstigen Einkünften  § 27 Abs. 1 StBGebV
Gegenstandswert:  19.360 EUR  2/20 Tabelle A


67,80 EUR


64,60 EUR

Summe

605,00 EUR

576,20 EUR

 

Liegen die Gegenstandswerte stets über den Mindestgegenstandswerten, ergibt sich mit 5,0 % eine Erhöhung, die genau der linearen Erhöhung der Tabellenwerte entspricht. Sobald aber bei einer Einkunftsart, z.B. bei Vermietung einer kleinen Eigentumswohnung, der Mindestgegenstandswert zum Ansatz kommt, liegt die Erhöhung über 5 %:

Ermittlung der Einkünfte 2011:

NEU

ALT

aus Vermietung und Verpachtung § 27 Abs.1 StBGebV
Objekt: Musterstadt, Musterstr. 2
Gegenstandswert: 8.000 EUR (bisher 6.000 EUR)  4/20 Tabelle A



86,60 EUR



67,60 EUR

 

In diesem Fall beträgt die Erhöhung zwar 28,1 %, andererseits waren solche Fälle über 14 Jahre hinweg mit der gleichen Gebühr abzurechnen.

 

Übergangsregelungen beachten!

Achtung: Die neuen Gebührensätze kommen nicht automatisch bei jeder ab dem 20.12.2012 gestellten Rechnung zur Anwendung. Vielmehr ist - wie bisher - in § 47a StBVV geregelt, wann weiter nach bisherigem Recht, und wann nach neuem Recht abzurechnen ist. Altes Recht gilt demnach weiter, wenn der betreffende Auftrag vor Inkrafttreten der geänderten Verordnung (also vor dem 20.12.2012) erteilt worden ist. Außerdem ist bei schriftlichen Vereinbarungen über längerfristige Tätigkeiten (1 Jahr oder länger) oder Pauschalvergütungen (§ 14 StBVV) bis zum Ablauf des Jahres 2012 weiter nach den bisherigen Sätzen abzurechnen.

Autor: Bernhard Starz

 



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